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Es ist ein naßkalter, mieser Morgen. Ich quäle mich um elf aus dem Bett, obwohl ich um halb neun im Büro hätte sein müssen. Noch mieser ist meine Stimmung – seit Tagen schon düster, antriebslos, niedergeschlagen. Rien ne va plus. Ich grüble, wälze Gedanken hin und her und schließlich der Entschluss: Ich gehe zum Arzt. Die anderen Patienten im Wartezimmer nehme ich kaum wahr – ich bin in mich gekehrt, die Schultern gesenkt, tiefe Ringe unter den Augen. Meine Hausärztin fragt, wie es mir geht – und ich breche in Tränen aus. Mit dieser Reaktion hätte ich selbst nicht gerechnet – bin ich doch nur etwas schlapp. Die Ärztin reagiert – schreibt mich zwei Wochen krank, empfiehlt mir, mich auszuruhen, Dinge zu tun, die mir gut tun und entläßt mich mit der Ermahnung, bloß keinen Masterplan auszuarbeiten, wie es weitergehen soll. Die Weisheit hinter dieser Ermahnung erschließt sich mir erst viel später.

Diagnose: Burnout.

Das war am 10. Februar. Seit dem sind einige Monate vergangen. Monate des Zweifelns, der absoluten Motivationslosigkeit, des apathisches Rumliegens im Bett. An einen normalen (Arbeits)Alltag war nicht zu denken. Einkaufen, Freunde treffen, Sport – undenkbar. Montags stresst schon der Gedanke an den Termin am Mittwoch. Nix kannst Du, das ist alles nicht gut genug, reiß Dich doch mal zusammen, Augen zu und durch, stell Dich nicht so an – ständige Begleiter in meinem Kopf. Meinen Körper habe ich vernachlässigt. Duschen, Haare waschen, gesund ernähren – alles große Hürden, die zu nehmen ich nicht im Stande war. Meinen Geist aber habe ich viel beschäftigt. Bücher und Artikel über Burnout und Depressionen gelesen mit Kopfnicken und „Genauso geht’s mir auchs“. Viel nachgedacht über eigene Glaubenssätze, Selbstkritik, Verhalten und Zukunftspläne.

All das begleitet von einem Therapeuten, einer hilfreichen Gruppe Leidensgenossen, Medikamenten, einer Familie mit der besten Schwester der Welt und vor allem dem allerbesten Mann an meiner Seite.

Mittlerweile geht es aufwärts, die energiegeladenen Tage werden häufiger, konstanter. Termine, Pläne machen, Fünfe gerade sein lassen – all das geht. Hurra. Ein Stück des Weges liegt noch vor mir – Bergfest hab ich allerdings schon gefeiert.

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  1. Hallo meine Liebe, schön von Dir zu lesen, noch schöner zu lesen, dass Du nach schwerer Krankheit wieder auf dem Wege der Besserung bist. Ich drücke die Daumen, dass es Schritt für Schritt weiter aufwärts geht und Du den Sommer genießen kannst. Ich wünsche Dir alles, alles Liebe.

    Antwort
  2. Werte Frau Suppe, das erklärt es natürlich. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg beim „aufwärts-gehen“.

    Antwort
  3. Oh, wie schön! Sie sind wieder da!
    Ich wünsche alles gute auf dem Weg + Glückwunsch zum „Bergfest“.

    Antwort

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